NL: GEBRAUCHERRAUM SCHLIESST WEGEN ERFOLGpublished Sonntag 23. Dezember 2007 01:00, von Martin Veltjen . update Sonnabend 22. Dezember 2007 22:16 Alle Fassungen dieses Artikels: [Deutsch] [English] [Nederlands]Aus De Volkskrant vom 18. Dezember 2007 Von: Charlotte Huisman UTRECHT – Zwei Süchtige schlafen im Gebraucherraum ‘De Stek’. Sie schlafen mit ihre Köpfe auf dem Tisch, teils versteckt unter Decken und Mäntel. ‘Ich muβ nicht mehr daran denken so dabei zu sitzen. ’Schlafende Zombies’ nennen wir das,’ sagt Leo Selhorst (39) Selhorst war 5 Jahre her der erste Süchtige der dieser Gebraucherraum nächst dem Hauptbahnhof betritt. Es war auch ein Versorgungszentrum, auch für Süchtige. ’Na ja, eigentlich war der erster Besucher ein Antillianischer dealer, aber der hat man gleich weggeschikt.’ Gestern hat man dieser Gebraucherraum geschlossen. ’Der Raum war ein Erfolg’, erklärt Stadrat für Volksgesundheit Van Eijk. In 2002 brauchten wir 250 Eintrittkarten für unsere Süchtige in 3 Gebraucherräume, aber jetzt gebt’s nur nog 80 Karten. Diese letzte Gebraucher werden weiter geholfen in unserem letzten groβen Gebraucherraum. Die meisten Süchtige in Utrecht haben heute ein richtiges Dach über den Kopf. Der Liefergang unter das Einkaufszentrum ’Hoog Catharijne’ war damals berüchtigt als eine stinkende, dunkle Höhle wo Süchtige sich jegenseitig bedrohten. Einwohnende und Geschäftsführer beklagten sich ausführlich bei den Behörden über dieser sogenannter Junkytunnel. Heute ist er abgeschlossen und inkorporiert in ein Mediengeschäft. Ab 14 Jahre trieb Leo Selhorst sich herum auf Hoog Catharijne. ’Er schlief wo er es konnte’, sagt sein Freund Menno. ’Der Tunnel war aber die Hölle.’ Jetzt leben Leo und Menno im Hostel ’Wittevrouwen’. Diese Hostels sind Wohnprojekte für Süchtige die seit 2001 in verschiedene Stadtviertel eröffnet wurden. Es gibt schon 7 solche Süchtigenhäuser und in Februar 2008 öffnet das Achte, 2009 wird das neunte und letzte Hostel öffnen im Leidsche Rijn Viertel. Seit sie ein Dach über dem Kopf haben, kommen Leo und Menno nur noch selten auf Hoog Catharijne. ’Wenn man ein warmes Zimmer hat, hat man noch wenig zu suchen in der Stadt“, sagt Leo. “Ja, dort kann man nur nog bebüβt werden,“ fügt Menno hinzu. Leo’s Spitzname war früher ’Speedy Spijker’. ’Spijker’ heiβt Nagel auf Deutsch, aber heute hat Leo ein gesunder Bauch. ’Meine Ausbreitung hat tatsachlich angefangen. Ins Hostel sieh ich wie die andere Süchtige einen dikken Kopf bekommen. Wenn du ein Zimmer hast, gebrauchst du wie vonselbst weniger. Du lebst regelmäβiger und hast etwas zu tun.’ Vorher war Leo Einbrecher, mit Spezialität Autoradios. Heute putzen die zwei Freunde das Hostel und helfen im Haushalt. Sie färben die Zimmer von neu Angekommene. ’Er schaut noch immer wenn er ein schönes Autoradio sieht, aber heutzutage bleibt das Radio im Auto’, sagt Menno. Utrecht führt die Reihe von Groβeren Städten im Süchtigenauffang, sagt Van Eijk. Das Eröffnen der Hostels war keine leichte Aufgabe. In viele Nachbarschaften erklang lautes Protest als die Bewohner erfuhren daβ die neuen Nachbarn Süchtige waren. Einst das Hostel eröffnet war, gab’s nur wenig Beschwerde über die neue Bewohner. ’Wir sahen daβ die Süchtige sich recht schnell erholten in die Hostels,’ sagt Mittarbeiterin Annet van den Akker von der GG & GD (Städtlicher Gesundheitsamt). ’Unserer erster Triumph erhielten wir am Tag daβ die Süchtige anfingen sich zu langweilen beim Anschauen ihrer täglichen Portion ’Animal Planet’. Also geht der freigekommener Raum über in die Hände von ’Dagloon’, ein Arbeitsermittlungsamt für (ehemalige) Dachlose. Es werden noch weitere Initiatieve folgen um die Süchtige an Arbeit zu helfen, sagt Van den Akker. Die letzte zwei Besucher in ’De Stek’, mit ihre Decken über dem Kopf, wollen aber noch nicht raus. ’Wir bedauern daβ dieser Raum schlieβt.’ auf diesen Artikel antworten |